In Asien spielt die Musik
- Nathalie Henseler
- 16. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Januar 2026
Die politische Welt richtete ihre Augen letzte Woche nach Davos – um sie sich nach dem Auftritt des Amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu reiben. Es gibt Kommentatoren der Wirtschaftspolitik, die prophezeien, dass es das Jahrhundert Asiens wird. Wer Trumps Ansprache, seine Zollpolitik und die Entwicklung der asiatischen Absatzmärkte nebeneinander auf dem Tisch liegen hat, weiss warum.

Das WEF in Davos: Auch dieses Jahr Verkündungsort wahrer Absichten. (Shutterstock)
Eine Errungenschaft der liberalen Marktwirtschaft und damit auch der liberalen Demokratie ist die Abschaffung der gegenseitigen Zölle. Zölle sind eine machtpolitische Erfindung des Mittelalters, um den Herrschern Geld in die Schatullen zu spülen. In der modernen Schweiz des 19. Jahrhunderts wurden sie als erstes unter den Kantonen abgeschafft, gleichzeitig die Währung vereinheitlicht (den Schweizer Franken gibt es erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert) und die Gewerbefreiheit garantiert. Von da an entschieden nicht mehr die Dorfkönige zusammen mit dem Pfarrer, wer welches Gewerbe betreiben darf und wer nicht. Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte, der wirtschaftliche Aufstieg der Schweiz.
Wenn Donald Trump nun mit seinen Zöllen einen Wirtschaftskrieg mit Europa und dem Rest der Welt anzettelt, dann ist das der Anfang vom Ende der auf Gewerbefreiheit basierten Wirtschaft in den USA. Und dann ist es für uns Europäer Zeit, sich neue Partner zu suchen. Denn das Land der grossen Freiheiten sind die USA schon lange nicht mehr. Die Musik spielt in Asien.
Unter dem Radar der Überheblichkeit des alten Kontinents, der sich lieber mit 35-Stunden-Wochen und Haltbarkeitsdaten beschäftigt, als sich mit Innovationen und Stärke im Rennen zu halten, entwickelte sich in Asien eine kaufkräftige Mittelschicht. Eine Mittelschicht, dessen Traumdestination die Schweiz ist und wo Chanel dem Status einer Religion entspricht – die traditionsreiche französische Nobelmarke gibt den stilvollen Takt vor, wie einst Audrey Hepburn in «Breakfast at Tiffanys». Nur die Schweizer Turnschuh-Marke ON mit ihrem schweizerisch-klaren Design wird gefühlt noch mehr an asiatischen Füssen getragen, als Chanel-Schuhe in allen Varianten.
Der Handel ist seit Menschengedenken der Motor einer prosperierenden Gesellschaft. Er lässt heimische Produkte auf neuen Märkten verkaufen, gibt damit den Menschen Verdienst, den Mutigen öffnet er Abenteuer und den Zuhausegebliebenen bringt er exotische Speisen. Umgekehrt macht es die moderne Mobilität möglich, dass viele Asiatinnen und Asiaten ihre Traumdestination bereisen können und so wiederum uns Geld bringen. Oder wie Debbie, die Spa-Managerin sagte: «Oh, Switzerland! I will travel there in summer – I’m so exited to go by train to see the Mountains and Snow!».
Asien ist ein 5 Milliarden-KonsumentInnen-Markt, der unsere Schweizer Produkte liebt, ja fast vergöttert. Wir sollten uns aufmachen, diesen Markt zu erobern und Trump mit seinem wohlstands- und wertegefährdenden Gebaren seinem Schicksal überlassen.

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