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Präzision als Tugend

Februar 2026


«Langsam ist präzise. Und präzise ist schnell!» Brad Pitt bringt es als abgehalfterter Rennfahrer Sonny Hayes im aktuellen Film «F1 – the movie» auf den Punkt. Exaktes Arbeiten, nicht ablenken lassen und genau wissen, was man tut, das bringt auf Dauer Erfolg. So allgemein der Satz tönt, in Anbetracht der Empörungskadenz politischer Aktivisten, Journalistinnen und Social Media-Kommentatoren bekommt er eine neu aufgeladene Bedeutung.


Langsam ist präzise. Präzise ist schnell.


Die Schweiz hat vor allem ein Prinzip verinnerlicht und sich darin zur Weltmarke aufgebaut: Präzision. Präzisionsmaschinen, Präzisionsuhren, Präzisionsgeräte und Präzisionsteile exportieren wir in die ganze Welt hinaus. Sie sind in NASA-Expeditionsgeräten genauso verbaut wie in Alltagsgegenständen wie dem Sparschäler. Die Mem-Industrie lebt von dieser Tugend und wir sind zurecht stolz darauf.


Doch die Schweiz ist drauf und dran, mit unpräziser Politarbeit diese über Jahrzehnte aufgebaute Qualität ins Abseits zu manövrieren. Unpräzise Argumentationen, Unterstellungen, voreilige Beschuldigungen und Vorhaltungen dominieren die politische Debatte. Es fehlt die Geduld und der Wille, sich in ein Thema hineinzuknien. Das ist scheinbar nur unsichtbare Arbeit und bringt kaum Lorbeeren in der öffentlichen Meinung.


In einer dermassen absichtlich auf langfristige Entscheide angelegten Demokratie wie der unseren, ist diese Entwicklung fatal. Unsere politischen Prozesse sind einerseits darauf ausgelegt, dass sie möglichst keiner Modeströmung ausgeliefert ist und schwerwiegende Entscheide voraus austariert beraten werden. Aus diesem Grund beispielsweise liegt das höchste Amt nicht in den Händen der Exekutive, dem Bundesrat, sondern in den Händen des Nationalratspräsidiums. In den Händen der vom Volk gewählten. Aus diesem Grund gibt es das Zweikammersystem, das gemeinsam um Lösungen ringt.


Wenn nun aber der Lärm von der Seitenlinie das Spielfeld zu dominieren beginnt, hören sich die Spieler nicht mehr. Sie sind verunsichert, das Spiel wird unpräzise und im dümmsten Fall gibt es Eigentore. Der Lärm in Bundesbern hat dermassen zugenommen, dass sich gestandene Politikerinnen und Politiker zu Entscheiden hinreissen lassen, die eher Eigentoren gleichen: Es werden Gegenvorschläge zu Initiativen gebastelt, nicht präzis durchdachte Kompromisse durchgewunken, kurzfristige und vordergründige Marketingargumente leichtfertig als Königsweg verkauft.

Die Schweizer Demokratie ist wohl die erstrebenswerteste, aber sie erfordert – Sie ahnen es – Präzision in der politischen Arbeit. Darauf sollten wir wieder vermehrt das Augenmerk legen, nicht auf kurzfristige Effekthascherei auf Influencer-Niveau.

 

Wer an der Börse Gewinn machen will, muss sein Geld langfristig anlegen. Wer bei kurzfristigen Schwankungen die Geduld verliert und verkauft, verliert oft auch sein Geld. Dieses Prinzip gilt auch für den Umgang mit den Nachrichten im Alltag: Kommentiert man eine Schlagzeile zu voreilig, ohne präzise darüber nachgedacht und sie analysiert zu haben, kann der Schuss schnell hinten rausgehen. Oder, wie Sonny Hayes es ausdrückt: «Bist du nicht präzise, verlierst du».




 
 
 

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